Lachen ersetzt ein Ei
 
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Mission

„Lachen ersetzt ein Ei!“ - Als die Zeiten manchmal mager waren und es wenig zu beißen gab, da lachte man. Auch in späteren Jahren haben ältere Menschen den Spruch immer wieder angewendet und herzhaft gelacht. Und das ist auch ein wichtiger Bestandteil des Spiels.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Demenz, hört man immer wieder, dass Menschen kaum noch sprechen, aber beim Singen von Volksliedern blühen sie auf. Viele Familien mit alten Eltern besuchen  Weiterbildungen und Kurse für pflegende Angehörige oder qualifizieren sich als BetreuerIn und AlltagsbegleiterIn für Menschen mit demenzieller Einschränkung. Aus Gesprächen konnte ich erfahren, dass im Rahmen einer solchen Arbeit z.B. eine „Oma“ mit dem höchste Pflegegrad (Demenz) dennoch beim Spielen mit mehreren Würfeln plötzlich anfing, die Anzahl der Würfelaugen zusammen zu zählen und  zum Erstaunen ihrer Familie sogar multiplizierte.

Es ergaben sich viele Gespräche und viel Internetrecherche zum Thema und ich stellte mir die Frage, was kann ich tun, um Familien mit „alten Eltern“ und der sich daraus ergebenden teilweise Überforderung im Umgang mit demenziellen Veränderungen zu entlasten. Ich wollte ihnen etwas praktisches an die Hand geben, das alltagstauglich ist und die Generationen wieder zusammenführen könnte.

Gerade der intergenerationelle Aspekt  ist mir besonders wichtig. Lt. Statistischem Bundesamt liegt die Zahl der Familien, die alte Eltern in welcher Form auch immer betreuen bei ca. 1,5 Mio., wobei natürlich nicht nur das Thema Demenz im Vordergrund steht. Und Enkel können immer noch viel von ihren Großeltern erfahren und ihre Lebensleistung würdigen. Genauso können Großeltern z.B. mit dem Spiel den Kontakt zu ihrer Familie wieder intensivieren und sich wertgeschätzt fühlen.

 
 
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LACHEN DIE SPIELER, FREUEN SICH ELTERN UND ENKEL, BETREUER UND THERAPEUTEN!

 

Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass seit 1986 eine UN-Behindertenrechtskonvention besteht, die das Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fordert, gleich welchem Grad der Beeinträchtigung, auch unter dem gesellschaftspolitischen Schlagwort "Inklusion" bekannt. Was lag näher als ein Brettspiel zu entwerfen, um in geselliger Runde zu kommunizieren, fröhlich zu sein und – das Wichtigste – zu lachen. Ältere Menschen, selbst wenn sie demenziell beeinträchtigt sind, verfügen über ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis: Liedgut aus der Volksschule wie z.B. „Ein kleiner Matrose, Der Kuckuck und der Esel, Kommt ein Vogel geflogen“ und die alten Redewendungen „Wer rastet, der rostet, Am Abend wird der faule fleißig, Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ konnten die älteren Herrschaften zum Erstaunen ihrer Familie spontan und textsicher vortragen. Darüber hinaus nahm ich auch kognitive Elemente wie Zahlen und Buchstaben in das Spiel auf, wobei alle Aufgaben das eigene Tempo und die individuellen Fähigkeiten berücksichtigen.

Blakemore & Frit, zwei Wissenschaftler aus GB, haben es zusammengefasst: "Use it or lose it."

 

Der erste Prototyp

Auf der Spieleautorenmesse im Juni 2017 konnte ich einen ersten Prototyp vorstellen und beobachten, dass ältere Menschen (ohne demenzielle Einschränkung) wunderbar mit ihren Enkeln spielten. Der  Eindruck war, dass die Enkel erstaunt über das Wissen ihrer Großeltern waren. Natürlich haben Enkel andere kognitive Fähigkeiten, insbesondere bei Zahlen und Buchstaben, aber beide Generationen hatten ihren Spaß am Spielen. Die Jüngeren erfuhren spielerisch mehr über ihre "Wurzeln", die Älteren freuten sich über die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung.

 

Diese Beobachtungen flossen in die Herstellung des nächsten Prototyps ein. Im September 2017 das Highlight: Zwei Prototypen des Spiels „Lachen ersetzt ein Ei!“ wurden verliehen - als Ehrenpreis im Wettbewerb des Rheinland-Pfälzischen Sozialministeriums „Teilhabe für Menschen mit Demenz“. Diese Anerkennung motivierte mich, diesen Weg weiterzugehen:

  • Inklusion umsetzen
  • Selbstbestimmtes Leben unterstützen
  • soziale Kontakte fördern, gleichzeitig sich gegenseitig unterstützen und
  • gemeinsame Spielstunden ohne Stress und ohne Wettbewerb mit den Mitspielern, Freunden und Angehörigen genießen.
     

Entlastung, Freude und Teilhabe am Leben

Fazit: die Spieler fühlen sich „gut 'drauf“, Angehörige und Pflegende erfahren Entlastung. Last but not least, „Für wen ist das Spiel interessant?“ Für Familien, Pflegeeinrichtungen und Spezialisten wie Logo- und Ergotherapeuten.